Weltfrauentag 2021: Wie wir es mit der Gleichstellung halten

Updated: Mar 25



Am Weltfrauentag, der heuer zum 110. Mal gefeiert wird, rücken Gleichberechtigung und Frauenrechte in den Fokus der Aufmerksamkeit. Bei b2g, wo zwei Drittel der Geschäftsführung weiblich sind, stehen Frauenförderung, Gleichstellung und die Frage, wie beides in die tägliche Arbeitspraxis einfließen kann, schon lange auf der Agenda. Das hat auch damit zu tun, dass die personalverantwortliche Geschäftsführerin Susanne Grof-Korbel sich bereits in ihrer Ausbildung zur Trainerin sowohl mit dem Konzept des Gender-Mainstreaming, als auch der Organisationsentwicklung auseinandergesetzt hatte.

Bei ihrem Einstieg in die Agentur stand für sie fest, beides zusammenführen zu wollen ─ gerade auch in einem Tätigkeitsfeld wie der Öffentlichkeitsarbeit, das zutiefst der Kommunikation verhaftet ist. Innerhalb des Unternehmens bedeutet das, Chancengleichheit und das Primat der Qualifikation in den Mittelpunkt zu stellen. Im KundInnenkontakt folgt daraus, bei der Organisation von Pressekonferenzen darauf zu achten, dass Diversität bei der Zusammensetzung eines Podiums nicht zu kurz kommt. Oder auch, das bewusste Gestalten der Bildsprache von Pressefotos im Blick zu haben, um in der Folge auch mediale Inhalte im Sinne des Sichtbarmachens weiblicher Sichtweisen bzw. deren Protagonistinnen zu beeinflussen. Auch Binnen-I-Diskussionen sind wir nicht ausgewichen. Doch der Spielraum ist begrenzt: Ticken KundInnen in dieser Beziehung anders, steht man am Ende vor der Entscheidung, ob die Geschäftsbeziehung weiter aufrechterhalten werden soll, oder eben nicht.

Was nicht geht

Immer wieder habe sie, sagt Grof-Korbel, erlebt, dass Männer mit diesem Zugang nur schwer zurechtkommen und etwa die gleichgestellte Kollegin als verlängertes Sekretariat verstehen. Manchmal hat es in solchen Fällen den Aufschrei der Betroffenen gebraucht, ehe gegengesteuert werden konnte – ein Versäumnis. Weiteres Praxisbeispiel: Der männliche Kandidat, der beim Bewerbungsgespräch nur mit dem männlichen Geschäftsführer kommuniziert, die weibliche Personalchefin dabei geflissentlich ignorierend. Nicht ernst genommen, liefen deren Anläufe zur Kontaktaufnahme ins Leere. Für ein Unternehmen mit mehrheitlich weiblicher Belegschaft ist ein solches Verhalten ein besonders schwerwiegendes Problem, das auf Dauer nicht toleriert werden kann. Dabei ist Frauenförderung keineswegs gleich Männerdiskriminierung: Von einer egalitären Gesellschaftsordnung profitieren am Ende alle.

2019 wurde b2g im Rahmen der Initiative „Taten statt Worte“ als Wiens frauen- und familienfreundlichster Mittelbetrieb ausgezeichnet. Der Ansatz, die Lebensrealitäten aller Mitarbeitenden zu berücksichtigen macht sich bezahlt: So ist das familiäre Engagement der Väter bei b2g sehr hoch, etwa durch Inanspruchnahme der Väterkarenz. Schließlich ist Familie ist nicht nur Frauensache. Die Möglichkeit einer Zertifizierung als familienfreundlicher Arbeitgeber musste Corona-bedingt zurückgestellt werden, da dieser Prozess für Pandemie-Zeiten problematische Zusammenkünfte, etwa Hearings, erfordert hätte.

Speak up, Sister!

Die Verschriftlichung eines Leitbilds bleibt aber Thema. Unseres orientiert sich an fair gestalteten Arbeitsbeziehungen (Möglichkeit zur Teilzeitarbeit, gleicher Lohn für gleiche Arbeit) und einem Miteinander im Handeln. Grof-Korbel sieht ihre Verantwortung als Arbeitgeberin auch darin, darauf zu achten, dass die weiblichen Teammitglieder ihre Karriereplanung aktiv gestalten und nicht im Status quo verharren. Frauen sind in dieser Beziehung erfahrungsgemäß zurückhaltender als Männer, die fordernder auftreten – auch in Gehaltsverhandlungen. Daher werden Gehälter bei b2g proaktiv evaluiert und Kolleginnen bei Weiterbildung und Aufstieg unterstützt.

Ganz in diesem Sinn haben wir mit Speak up, Sister! auch ein spezifisches Kommunikationstraining entwickelt. Nun auch als Online-Kurs verfügbar, adressiert es exklusiv Frauen. Ziel von Speak up, Sister! ist es, Frauen zu befähigen, tradierte Gesprächsmuster aufzubrechen: Während sie sich in Debatten oft zurücknehmen, neigen Männer dazu, sich verbal auszubreiten. Weibliche Meinungen und Ideen finden entsprechend weniger Gehör. Dieser Befund gilt sogar noch verstärkt für die aktuell boomenden Online-Konferenzen, da in solchen Formaten das Unterbrechen des Sprechenden strukturell erschwert ist.


Eine Branche im Wandel

Was Geschlechtergerechtigkeit bzw. Gleichberechtigung betrifft, fällt die Bilanz für den PR-Sektor durchwachsen aus. Zu Beginn ihrer Consulting-Karriere begegnete Grof-Korbel vielen jungen Beraterinnen und fast ausschließlich männlichen Chefs. Der Doyen, der sich mit hübschen Beraterinnen schmückte und das als Asset verstand, war eine durchaus häufige Erscheinung. Seither jedoch hat sich die Branche deutlich verändert ─ angesichts der veränderten Herausforderungen blieb ihr auch kaum eine andere Wahl. Frauen haben im letzten Jahrzehnt jedenfalls, durchaus auch mit Rückendeckung des Branchenverbands, an Selbstbewusstsein gewonnen und zu einem neuen Selbstbild gefunden: Sie lassen sich so nicht mehr behandeln. Die Zahl weiblicher Führungskräfte ist angewachsen. Eine zunehmende Diversität der Agenturlandschaft und die Verflachung von Hierarchien eröffnete Frauen neue Chancen. Mittlerweile existiert diese andere Welt, in der sich Kompetenz durchsetzt und nicht Geschlecht, Macht oder Aussehen.



/ Michael Robausch – Consultant & Content Creation bei b2g





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