Ein Jahr im Home-Office: Hurra, wir leben noch!

Updated: Mar 25

Die Erfahrungen von b2g mit dem Krisenmodus in einer ungewöhnlichen Zeit


Am 16.3. 2020, also genau vor einem Jahr, ging Österreich zum ersten Mal in den Sperrmodus. Wie lange der zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie verhängte landesweite Lockdown dauern würde, war zunächst unklar. Auch für uns waren viele Sicherheiten von einem Tag auf den anderen in Frage gestellt. „Die Agentur ist bis zu diesem Zeitpunkt super gelaufen, wir sind kontinuierlich gewachsen, waren immer gut ausgelastet. Und dann ist plötzlich jeder zuhause und keiner weiß, wie es weitergeht. Wir hatten überhaupt keine Ahnung, was das mit uns, unseren KundInnen und dem Wirtschaftssystem macht – und was das letztendlich für unsere Auftragslage heißen wird“, erinnert sich Geschäftsführerin Susanne Grof-Korbel.

Dass von Einschätzungen bzw. Entscheidungen der Unternehmensführung ganz konkrete Arbeitsplätze von ganz konkreten Menschen abhängen, sei ihr da noch einmal stärker bewusst geworden, erinnert sich Grof-Korbel: „Was, wenn wir aufs falsche Pferd setzen? Was wenn wir die Lage völlig falsch einschätzen?“ Man sei vor einer strategischen Entscheidung gestanden: In einer Phase voller Unwägbarkeiten offensiv nach vorne gehen, neue Ideen entwickeln, das Team aufstocken und auch Budgets dafür freigeben – oder doch besser Bestehendes absichern und das Unternehmen von staatlichen Hilfen durchtragen lassen. „Das hat mich einige Nächte gekostet“, so Grof-Korbel, die letztlich Variante eins den Vorzug gab.


Virtuell ist anders

Dabei hatte, was das Technische betraf, der Übergang ins Home-Office vergleichsweise reibungslos funktioniert, da alle b2g-MitarbeiterInnen bereits vor dem Lockdown mit den notwendigen Tools ausgestattet waren. Auch die entsprechende Infrastruktur bei Telefonie bzw. Internetlösungen war zu diesem Zeitpunkt bereits aufgesetzt. Bis heute agiert das Unternehmen zum größten Teil im Remote-Modus. Das frühzeitige Setzen auf digitale Kompetenz erwies sich als entscheidender Faktor: Die Agentur blieb handlungsfähig und war in der Lage, ihre Dienstleistungen rasch an die neuen Umstände anzupassen: Workshop- und Trainingsangebote wurden in Online-Formate überführt, ein neuer interaktiver Webinar-Raum entwickelt.


Den Verlauf der Online-Trainings beschreibt Geschäftsführerin Susanne Grof-Korbel als vergleichsweise strukturiert, allerdings ist auch eine detaillierte Vorbereitung notwendig. Alle Elemente, die man verwenden möchte, müssen bereits im Vorhinein ausgearbeitet sein. Spielraum für spontanes Eingreifen ist kaum vorhanden, eine kurzfristige Planänderung während der laufenden Veranstaltung komplizierter umzusetzen. Entscheidend sei es, den Webinar-TeilnehmerInnen etwas zu tun zu geben. Eine klare Struktur, interaktive Elemente und eine abwechslungsreiche Methodik vorausgesetzt, können virtuelle Workshops mitunter sogar fokussierter verlaufen und mehr Output generieren als physische.

Ähnliches gilt für virtuelle Pressekonferenzen, auch wenn zunächst Zweifel über das Funktionieren dieser Form bestanden – vor allem hinsichtlich der notwendigen technischen Voraussetzungen. Als Erfolgsgeschichte erwiesen sich Konferenzen in Form von Zoom-Calls, die sich angesichts zunehmend ausgedünnter redaktioneller Ressourcen für viele Medien geradezu als Segen erwiesen.

Remote vs. Büro: Ein Alltag ohne Zwischentöne

Nach beinahe einem Jahr lässt sich resümieren: Es ist erstaunlich, wie gut das Alltags-Business remote funktioniert. Das Home-Office ist gekommen, um zu bleiben – und eigentlich war das bereits überfällig. Unternehmen, die diese Form des Arbeitens bislang kategorisch ausgeschlossen haben, wurden in der Krise aus ihrer Komfortzone gedrängt und mussten sich mit virtuellen Tools, aber auch virtueller Mitarbeiterführung auseinandersetzen. Es hat sich gezeigt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – auch wenn dieser beileibe nicht einfach war. Vor allem der ungewohnte Umgang mit den technischen Tools und die Notwendigkeit zur Selbstorganisation erwies sich für MitarbeiterInnen als Stresstreiber. Höhen und Tiefen sind in Anbetracht der Situation unvermeidlich. Doch da ist auch die andere Seite der Medaille: Arbeiten von Zuhause ermöglicht das Einsparen von Pendelzeiten und – zumindest für manche – konzentriertes Arbeiten in völliger Ruhe. Beides kann positive Auswirkungen auf die Work-Life-Balance haben. Susanne Grof-Korbel erwähnt eine weitere Dimension der Zersplitterung: „Für mich ich als Personalerin war natürlich der Teamzusammenhalt eine zentrale Frage. Wie steht es um das persönliche Befinden der Leute und das Onboarding neuer MitarbeiterInnen, welches genau in diese Zeit gefallen ist: Wie hält man ein Team zusammen, das sich nicht mehr treffen kann? Wie integriert man Leute ins Team, die die anderen nur vom Bildschirm kennen?“


Evident ist, dass der Büro-Alltag und die persönlichen Interaktionen mit ihren Zwischentönen fehlen. Schließlich lebt Arbeit vom informellen Austausch, von den Zwischendurch-Plaudereien und gemeinsamer Ideen-Findung, von dem, was man zwischen den Zeilen bei einem KundInnentermin oder dem Afterwork-Drink erfährt. Zudem geht mit der Zeit das Gespür für die KollegInnen verloren, da man in der Vereinzelung nur mit jenen kommuniziert, mit denen man auch konkret zusammenarbeitet. Das ist im Großraum, in dem man auch die anderen wahrnimmt, ganz anders und fällt völlig weg. Das Dauer-Homeoffice bleibt insofern nur eine Krücke. Die Zukunft wird einer Mischform gehören, Heimarbeit kombiniert mit Tagen im Büro. „Man wird den persönlichen Kontakt mit den KollegInnen künftig noch mehr schätzen“, prognostiziert Susanne Grof-Korbel. Und last but not least: Dank Home-Office könnte das papierlose Büro nun tatsächlich einen Schritt näher gerückt sein. Denn bleiben wird wohl auch, dass weniger ausdruckt, mehr elektronisch abwickelt wird.


Kontakt halten: Mit KundInnen im Wohnzimmer

Bei den KundInnen hat sich nach wenigen Monaten die Erkenntnis durchgesetzt, dass alle Abläufe online abgewickelt werden können – vom Jour fixe über Workshops bis hin zu Pressekonferenzen und Ausschreibungs-Präsentationen. Ängste waren geschwunden, die Akzeptanz gewachsen und der Umgang mit Online-Tools merkbar souveräner geworden. Das gilt ebenso für Online-Meetings, auf die sich – nolens volens – auch Skeptiker einlassen mussten. Besonders die erhebliche Zeitersparnis durch wegfallende Anfahrtswege wird als Plus erfahren. Obwohl sich die Kommunikationskanäle vervielfacht haben (Telefon, Mail, Video-Calls, WhatsApp, physische Meetings), erwies sich das Kontakthalten mit KundInnen aus dem Home-Office jedoch als Herausforderung. Längere, stärker in die Tiefe gehende Besprechungen werden im virtuellen Rahmen als anstrengender wahrgenommen. Abstimmungen dauern länger. Gleichzeitig war aufgrund des fehlenden physischen Kontaktes ein verstärkter Bedarf am Miteinander-Reden spürbar. „Wir haben“, sagt Grof-Korbel „Projekte realisiert, von denen wir gar keine Ahnung hatten, dass wir sie draufhaben. Und wir haben KundInnen auch in unsere Wohnzimmer gelassen – und vice versa. Im Wortsinn, bei den zahlreichen Videokonferenzen, aber auch im übertragenen Sinn: Denn natürlich war der Austausch über die Gesamtsituation und den eigenen Umgang damit ein essenzieller Teil jeder Konversation.“


Das letzte Jahr hat BeraterInnen und KundInnen auf einer persönlichen Ebene zusammenrücken lassen. Man hat miterlebt, mit welchen Herausforderungen alle zu kämpfen haben und das hat beide Seiten menschlich nähergebracht. Am Ende des Jahres hatte man das Gefühl, gemeinsam viel erreicht zu haben und war für die gegenseitige Unterstützung dankbar.

Ein (vorläufiges) Fazit: Je länger die Krise dauert, desto mehr lernen wir alle damit umzugehen. Es ist weniger Angst da, mehr Vertrauen, dass es auch in Extremsituationen weitergehen kann. Und gleichzeitig das Wissen, dass es keine Sicherheiten gibt und man immer nur für den Moment leben und entscheiden kann. „Es bleibt“, so Grof-Korbel, „viel Dankbarkeit für das, was wir haben – als einzelner Mensch, als Team und Unternehmen – aber auch als Gesellschaft.“


/ Michael Robausch – Consultant & Content Creation bei b2g



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